Mittwoch, 19. Februar 2014

Rovaniemi 150

So dann mal ein kurzer Bericht vom Rovaniemi 150. Die Regeln waren klar, ein 150 km Rundkurs mit 8 Stationen an denen es Wasser gibt, der Rest ist am Rad dabei zu haben.  Zur Pflichtausrüstung gehören: 

 1 - Schlafsack,  -29 º C Comfort Limit Temperatur.  
 2 - Isomatte (Schaum-Matratze)
 3 - Scheinwerfer mit genügend Batterien *.
 4 - hinten rot blinkende Lampe mit genügend Batterien.
 5 - Zwei reflektierende Flecken (von der Organisation ausgegeben).

Diese Dinge wurden am Vortag genau geprüft! 

Mein Schlafsack, ein Cumulus Alaska 1300 verpackt in einem 20 Liter Alpkit Packsack am Lenker, dazu noch meine Z-Lite, 2 Stück Outdoor Research - Water Bottle Parka incl. 0,75 Trinkflaschen komplettierten das Cockpit an meinem On One Fatty. Die Pogies von HotPog habe ich kurz vor dem Start abgebaut, da Temperaturen um 0 bis -5 Grad vorhergesagt waren. Dazu hatte ich noch eine kleine Tasche für Ersatzhandschuhe, trockenes T-Shirt und Daunenjacke. Im Rahmendreieck habe ich meine selbstgenähte Tasche mit etwas Werkzeug, 2 Flaschen 0,33 Energiedrink, Getränkepulver, Ersatzakkus, Ersatzlampe und Kleinkram bestückt. Unter meiner Jacke trug ich eine 2 Liter Trinkblase. Als Zusatzausrüstung hatte ich neben guten Schuhen auch Gamaschen an, die sollten verhindern, dass der Schnee von oben in den Schuh eindringen kann. Mein Fatty habe ich Tubless auf 45NRTH HüskerDü gestellt. Luftdruck vorn 0,5, hinten 0,45 (am Ende des Rennens). Mein Antrieb 1x10 mit 30 vorn und 42er Mirfe Ritzel hinten.


Ja, soweit alles klar, ready to Race!

Nach einem ausgiebigen Frühstück bei MD, sammelten wir uns kurz vor 9:00 Uhr im Startbereich. Viele Teilnehmer waren schon da und die Spannung stieg. Ich verpasste es irgendwie mich in die erste Reihe zu stellen, für´s Foto kommt sowas ja immer gut. 

Ich stand irgendwo ganz hinten und wollte auch den Start nicht zu schnell angehen, erst mal schauen was passiert.

Punkt 9:00 Uhr wurde das Rennen gestartet und die Spitze gab ordentlich Gas, ich schob mich so langsam an meinen deutschen Freunden vorbei, jeder bekam noch eine „viel Glück“ mit auf den Weg. 
Der erste Streckenabschnitt von 10,9km bis Checkpoint 1, verlief auf einer Schneemobil Straße auf dem Fluss Ounasjoki. Mit Rückenwind
konnte man diesen Teil sehr gut fahren und so war ich nach gut 35 Minuten und einem Schnitt von 17 km/h als Vierter am Checkpoint.

Runter vom See ging es doch recht zügig weiter, die er ersten Höhenmeter wurden gemacht. Die Führungsgruppe passierte gemeinsam CP 2 bei 21,2km. Es wurde ohne Pause weiter gefahren. Von einer gut zu fahrenden Spur ging es ab in den Wald, um auf den nächsten See zu gelangen mussten wir unsere Bikes durch einen dichten und tief verschneiten Wald schieben. 


Die Landschaft war beeindruckend und alle hatten ein fettes grinsen im Gesicht. Wir passierten CP 3 nach 44,3 km, es gab mehrere Schiebepassagen und auch immer wieder Führungswechsel. Als führender Spurmacher hatte man es immer deutlich schwerer, bei mir waren es ca. 15 bis 20 BPM unterschied wenn ich hinter her fahren musste. Das hatte dann schon Tour-Charakter ;-). Ich lief als Führender im Checkpoint 4 (58,5 km) ein, hier gab es heißes Wasser vom Grill. Ich füllte meinen Trinkrucksack und Flaschen auf, richtete mein Gepäck, welches sich bei diversen Umfallern gelockert hatte, schrieb meinen Jungs eine gelbe Nachricht in den Schnee und so ging es nach ca. 8 Minuten weiter. Die Führungsgruppe blieb zusammen und es gab immer genug Gelegenheit die tolle Landschaft zu bewundern.




 Der Track führte uns durch tief verschneite Wälder und durch kleine Dörfer. Ich habe mehrfach versucht mich von der Gruppe abzusetzen, wurde aber immer wieder eingefangen. Es war gut zu beobachten wir jeder Fahrer seine Vorteile ausspielen konnte. Toni war der beste Techniker im Schnee und die großen Jungs waren deutlich schneller im schieben. Ich hatte große Problem die Spur zu halten, das ständige korrigieren kostete sehr viel Kraft. Neben der Fahrspur war der Schnee sehr weich und tief, man war dann immer gleich bis zu Hüfte versunken. Ich hatte oft das Gefühl mir fehlt Gripp am Vorderrad, das sah bei anderen Fahren oft deutlich besser aus. Checkpoint 5 ( 69,7 km) passierte ich als Führender und es ging ohne Stopp weiter, auf dem Weg zum CP 6 bei 79,1 km, war die führende Gruppe von 5 Fahrern dicht zusammen und wir rollten gemeinsam ein. Hier war einer der wichtigsten Punkte im Rennen, zur nächsten Kontrollstelle waren es lange 35 Kilometer und es war der letzte Halt mit Tageslicht.




Es war bereits 16:00 Uhr und ich nahm mir 10 Minuten um mein Leergut aufzufüllen und das Licht zu prüfen, ich ging hinter Toni und zeitgleich mit Martijn auf den Kurs. Das war für mich der schwerste Abschnitt, während Martijn zu Toni aufschließen konnte, hatte ich Probleme im Dunkeln die Spur zu halten und musste die Beiden ziehen lassen. 
Wir passierten den höchsten Teil der Strecke, ich fühlte mich gut und ich konnte mich besser auf die wechselnden Bedingungen einstellen, ich kam näher an die Beiden heran und konnte bis zu Abfahrt aufschließen. Hier schossen wir mit über 40 km/h in die Nacht. Ich konnte auf dem nächsten Streckenschnitt gut Druck machen und gefühlt einen 5 Minuten Vorsprung raus fahren, es ging gefühlt unendlich hoch und runter durch die kalte Nacht, hinter mir war nichts zu sehen. 
Mir kam ein PKW der Organisation entgegen und sagte das es nach ca. 4km links in den Wald geht, dass das nicht so weiter rollt war mir schon klar. Am Abzweig drehte ich mich um und ich sah Tonis Lampe in der Ferne. Im Nachhinein hatte er auf Grund seiner Streckenkenntnis aus den letzten beiden Jahren seinen Luftdruck erhöht. Egal, ich bog ab in den Wald und habe versucht mein Rennen zu fahren. Es dauerte nicht lange und Toni konnte an mir vorbei ziehen. Auch hier konnte ich mich wieder von seiner exzellenten Fahrtechnik überzeugen, er hatte so einen ruhigen Tritt und fuhr so gleichmäßig, das ich mir hinter ihm vorkam als würde ich Tretroller fahren.



Vor mir tauchte Checkpoint 7 (115,8km) auf, Toni hatte gerade seine Flaschen aus dem Halter gezogen und ich rief dem Streckposten meine Startnummer zu und fuhr ohne anzuhalten weiter. Ich konnte Tonis ungläubige Blicke sehen, damit hat er nicht gerechnet. Ich hatte noch mehr als 1 Liter in den Trinkflaschen, diverse Gels und 2 x 0,33 RB im Köcher. Ich denke das sollte reichen.
Es dauerte auch gar nicht so lange bis ich wieder in Tonis Lichtschatten kam, ich ließ in ziehen und versuchte seiner Spur zu folgen. Hinter mir war nichts zu sehen und ich machte vorsorglich mein Rücklicht aus ;-), die Dinger sind ja Meilenweit zu sehen. Ich hatte keine Chance an Toni dran zu bleiben, er war sehr stark und ein perfekter Techniker.


Bis zum Checkpoint 8 bei 140,34km hatte er mir schon wieder 6 Minuten abgenommen und es ging dieselben 10,9 Kilometer zurück, auf denen wir das Rennen begonnen haben. Ich hatte mich im Kopf auf Platz 2 eingestellt und wollte mir diesen auch nicht mehr nehmen lassen. Ich habe versucht trotz Gegenwind mein Tempo hoch zu halten und nicht unter einen 10er Schnitt zu kommen. Ich schaute einer Schneemobilgruppe zu, die einen sicher sehr tollen Nightride machten. Das Ziel kam immer näher und ich konnte die Brücken sehen. Auch Toni hatte sein Rücklicht ausgemacht, doch ich konnte seinen Frontscheinwerfer immer wieder ausmachen, nur seine Spur konnte ich im Schnee nicht finden. 

Egal, ich folgte den Zeichen und freute mich, es bald geschafft zu haben. Ich durchfuhr das Start/Ziel Banner auf dem Fluß in Richtung letzter Checkpoint draußen standen ein paar Leute die sich für mich freuten und ich rollte direkt ins Hotel Pohjanhovi, die Automatiktüren öffneten sicher und ich wurde herzlich empfangen. Es dauerte ein paar Sekunden bis ich verstanden habe, dass ich als erster ins Ziel gekommen bin. Nur wo war Toni? Ich hatte ihn nicht auf der Strecke überholt. Nach 1 bis 2 Minuten rollte auch er ein, mit etwas enttäuschtem Gesichtsausdruck, er ist am Ende irgendwo einer falschen Motorschlittenspur gefolgt und somit einen Umweg gefahren. Das tut mir natürlich leid, weil er sehr stark gefahren ist.



Ich bin mit etwas Glück am Ende Sieger mit einer Zeit von 15 Stunden und 14 Minuten und sehr zufrieden mit meinem ersten Winterrennen. Ich habe gekämpft, Druck gemacht, meine Kräfte gut eingeteilt und wie immer super viel Spaß gehabt. 

Platz 3 ging an Marco Nicoletti, mein italienischer Teamkollege vom Team Big Wheel Racing, mit einer Zeit von 15h 35 Min. Herzlichen Glückwunsch und Respekt an alle Finisher.



Meine Freunde Walter 20h 24', Alex 22h 24', René 28h 55' und Thomas 19h 37' hatten genauso viel Spaß wie ich und sind stolz die Sache gemacht zu haben.

Sportliche Grüße René