Donnerstag, 10. März 2016

Transcimbrica HH » SKAGEN » HH

Ein neues Jahr , ein neues Abenteuer „Transcibmbrica“, eine 1350 Kilometer Self-Support Langestreckenfahrt über die Kimbrischen Inseln (Dänemark) auf befestigten Wegen von Hamburg nach Skagen und wieder zurück........

Soweit so gut …. Start am 05. März …. was uns da wohl erwartet …. dazu später mehr.
Die Vorbereitungen liefen gut, die Ausrüstung wurde noch etwas optimiert und wie ich die Sache angehe war mir auch klar. (Wer Interesse an meiner Packliste hat, der fragt mich einfach)
Am Vorabend in HH angereist, hatte Thees uns freundlicherweise einen Schlafplatz angeboten, bei Chilli und Bier wurde es eine lange Nacht mit Freunden und es hieß früh wieder raus. Das war ein wirklich schöner Abend.


Wir sind dann morgens gemeinsam zum vereinbarten Startpunkt gefahren, wo wir schon erwartet wurden. 9 Wahnsinnige standen bereit ohne genau zu wissen was sie auf den folgenden Kilometern, in den nächsten Stunden und Tagen erwarten wird. Alle waren hoch motiviert und auf das Maximum an Spaß eingestellt. Keiner konnte uns aufhalten, kein Weg, kein Wetter, nichts und niemand.


Halbwegs pünktlich gegen 8:20 Uhr rollten wir gemeinsam aus Hamburg raus, es wurden noch ein paar Worte gewechselt und das „Feld“ zog sich langsam auseinander. Es fuhr sich gut aus Hamburg raus auch wenn uns manche Autofahrer gern von der Straße gehupt hätten. Ich ließ es ruhig angehen und rollte so langsam noch vorne auf. Das Wetter war bewölkt aber noch kein Regen, das war gut. Ich hatte etwas mit meinem Garmin zu kämpfen, 5 Mal ist er einfach ausgegangen, das nervt ungemein und ich hab dann während der Fahrt alle alten Tracks und Aufzeichnung gelöscht. Nun lief er stabil, jedoch immer mit der Angst wie lange, denn ohne Navi kannst Du die Runde nicht fahren.
Ich fuhr immer in Reichweite zu Max, eine nette Bekanntschaft es der Strava Gemeinde und Thomas unser lieber CuBe aus Berlin. Max hatte es ganz schön eilig, letztendlich muss ja jeder seinen Rhythmus finden. Langsam kamen die ersten Regentropfen und bei Kilometer 70 war es Zeit zu stoppen um sich wetterfest zu machen.



Kurz darauf dann die Fähre über den Nord-Ostsee-Kanal, sonst  gab es nichts Aufregendes an der Strecke zu sehen. Der eine oder andere verfährt sich noch im bekannten Revier und macht sich so ein eigenes Micro-Abenteuer, das aber nur am Rande.
Meinen ersten Stopp hatte ich bei Kilometer 175 geplant, kurz vor der Grenze nach Dänemark. Thomas hatte keinen festen Plan und es passt mit uns ganz gut und so machten wir nach 7 Stunden gemeinsam Halt.


Hier gab es lecker Nudeln und nach einer guten Stunde passiertern wir gut gestärkt die Grenze. Es regnete noch immer und die Temperatur hielt sich konstant zwischen 0 und -1 Grad. Wir fuhren weiter auf Radwegen und es kamen die ersten Schotterpassagen, das drückte den Schnitt, wir mussten zusehen das wir unseren nächsten geplanten Stopp bei KM 272 in Vejen bis 21:00 Uhr erreichen. Kurz vor Ladenschluss konnten wir dann noch in den Fakta einkehren und uns mit Proviant für die Nacht versorgen und nach ca. 30 Minuten weiter fahren. 
Nach guten 8 Kilometer verspürte ich ein leichtes schlingern am Hinterrad, in der Hoffnung das die Dichtmilch das Loch wieder schließt haben wir gestoppt und nachgepumpt. Von hinten war ein Scheinwerfer auf dem Radweg zu sehen, es war Max, sein Garmin war ausgestiegen, so fuhr er ab Flensburg per Iphone Navi im Ohr auf direktem Wege Richtung Skagen. So zumindest der Plan.
Nun fuhren wir die nächsten Kilometer gemeinsam. Ich musste noch weitere 2-mal stoppen und die Pumpe ansetzen bis der Reifen endlich dicht war, in Summe verloren wir hier gute 30 Minuten.
Weiter ging es über Asphalt und Schotter, ich glaube der Regen hatte nachgelassen und plötzlich ..... erst ein lautes Krachen und dann ein Fluchen, Max ermahnte uns weiter zu fahren. Wir stoppten, drehten und rollten zu Max zurück, er hatte seine Kurbelschraube verloren die wir nun gemeinsam im Dunkeln suchten. Nach einiger Zeit fand sich das kleine Ding tatsächlich wieder an, nur eins war klar, für Max war die Tour hier zu Ende.
Bei  Kilometer 332, es muss kurz nach Mitternacht gewesen sein, tauchte der nächste Schelter auf und Thomas wollte hier schlafen um am nächsten Morgen weiter zufahren. Mein Plan war ein anderer und so trennten wir uns hier.


Alleine fuhr ich in die Nacht über verschneite Straßen und Schotterpisten. Mein nächster geplanter halt war in Viborg bei Kilometer 405, hier hatte ich mir einen MD rausgesucht der ca. 3 km vom Track entfernt war. Ich bestellte mir 3 MC Chicken und einen großen Kaffee für 18 Euro! In einer ruhigen Ecke konnte ich meine Sachen ausziehen in Ruhe essen und darüber nachdenken wie es bereits gelaufen ist.
Ich war müde, stellte mir den Timer auf 10 Minuten, so ein Powernapping bewirkt Wunder. Alles wieder zusammenpacken und rauf aufs Rad, nach 1 Stunde und 20 Minuten war ich wieder zurück auf dem Track und bereit für die nächsten 100km bis nach Aalborg. Der Puls ging wieder etwas hoch und es wurde langsam hell.


Eisregen , Schneematsch und kalter Wind aus Osten machten die Sache nicht wirklich einfacher, ich kam an Stellen wo ich durch 10 cm Schneematsch schieben musste, auch das ganze auf und ab war nicht ohne. Keine 6 Stunden brauchte ich für diese Etappe und durfte mich als Belohnung bei einem weitern MCD, diesmal direkt an der Strecke, ausruhen. Nur hatte ich irgendwie keinen Hunger, ich bestellte einen großen Kaffee und einmal Pommes, nutze das WLan für etwas Kommunikation und war nach 50 Minuten wieder raus.


Schnell noch ein Foto auf der Brücke über den Limfjord gemacht  ging es parallel der E45 auf dem Radweg Richtung Skagen. Es war eisig und es regnete, doch die rauen Straßen ließen nicht das Gefühl von Glätte aufkommen. Immer wenn die Route Richtung Osten drehte kam der Wind dermaßen von vorn das es weh tat und dazu ging es immer wieder hoch und runter. Dänemark ist auf keinen Fall flach wie Holland! Es kam ein elendes Stück direkt auf der 558, hier gab es keinen  Radweg, diesen Teil werden wir beim nächsten Versuch  ändern müssen.
Kurz vor Frederikshavn sollte es dann wieder auf Nebenstraßen weiter gehen, beim Überqueren der Straße habe ich mir wohl an einem scharfkantigen Stein die Seitenwand am Vorderreifen aufgeschnitten. Die Luft war sehr schnell raus und Dichtmilch spritze, ich startete einen Versuch mit der CO² Kartusche, der Schnitt war aber ca. 1cm und das funktionierte so nicht. Also Schlauch einziehen war angesagt, eigentlich kein Problem wenn es doch nicht so kalt und windig wäre. Keine 20 Minuten hat mich das gekostet und ich konnte weiter fahren. In dieser Zeit bin so ausgekühlt das ich es nicht schaffte mich wieder warm zu fahren. Der Puls geht einfach nicht mehr hoch….der Kurs zeigt weiter Richtung Nord/Ost, also Wind von vorn. Die letzten Kilometer taten weh, waren aber toll, landschaftlich ein Traum und ich schaute schon nach dem Rückweg. Ich stellte mir vor wie genial es hier bei schönem Wetter seien muss.



Nach 32 Stunden und 15 Minuten war ich dann am nördlichsten Punkt den ich fahrend mit meinem Rad erreichen konnte. Ich stellte mein Rad ab und ging noch ein paar Meter durch den Sand, die Spitze „Grenen“ war doch noch einige hundert Meter entfernt und ich konnte mich nicht durchringen jetzt auch noch auf den Wandermodus umzuschalten. 
Mir war noch immer lausig kalt und ich rollte zurück nach Skagen zufällig am Bahnhof vorbei, hier stand ein Zug und plötzlich fing es im Kopf an zu rappeln. Ich schaute auf den Fahrplan, der nächste fuhr in 2 Stunden Richtung Süden, genügend Zeit Dir mal was zu überlegen.
Also in die nächste Pizzeria was Essen und einen heißen Tee. Okay, was gibt es für Alternativen als auf dem Rad zu erfrieren? Mein Plan, die ganze Sache in 60 Stunden zu fahren hatte sich schon lange in Luft aufgelöst. Am besten mal telefonieren …..also kurz mal „dat Mukelchen“ zu Hause angerufen (der ja bereits nach  100 Kilometer wegen technischen KO ausgeschieden ist). Kurzes schildern der Situation und ich konnte es noch gar nicht aussprechen „bleib wo Du bist, ich hol Dich ab“. Noch immer tiefgefroren (ich) konnte ich meine Pizza kaum schneiden doch der Tee tat gut.
Wir haben uns dann auf die Hälfte geeinigtJ, ich mit dem Zug bis Arhaus, Ankunft gegen 22:45 und dann mit dem Auto zurück nach Hamburg.


Das war mein HH- Skagen-HH, auch wenn die zweite Hälfte eher abseits vom Ehrencodex erfolgte.
Mir hat es wahnsinnig viel Spaß gemacht, eine tolle Strecke, wahnsinnig tolle Mitfahrer und beste Freunde auf die man sich verlassen kann. Ich danke euch . . ..Paule, Dat Mukelchen, Thomas, Ralf, Harald, Max, Tobi, Boris und allen die uns das ermöglicht haben.